Das Landschaftsschutzgebiet Tollenseniederung umfasst das Gebiet des Tollenseflusses zwischen Neubrandenburg und Altentreptow. Dieses Flusstal wurde durch die gestaltenden Kräfte der Gletscher und deren Schmelzwässer während der verschiedenen Phasen der Eiszeit ausgeprägt. „Das Tollensetal als tief angelegter Vorfluter zog die Entwässerungsbahnen an sich, die beiderseits auf den Grundmoränenflächen schon in der späten Auftauphase der Toteislandschaft entstanden“ schreibt Nils Rühberg in „Geologie der Region Neubrandenburg (1998)“.

Solche Entwässerungsbahnen sind die Täler des Malliner Baches, des Lindebaches und des Nonnenbaches. Die Bäche gestalten ihren Lauf in den Talauen je nach Breite des Tals und des Gefälles und wechseln zwischen schnellem Fließen und Mäander bildend.

Dass der Tollensesee nicht über den Tollensefluss „auslaufen“ konnte, verhinderte eine durch die Schmelzwässer aufgespülte Sandbarriere. Sie bot in historischer Zeit einen günstigen Platz, hier den Abfluss aufstauen und die erste Wassermühle der Stadt, die Vierrade-Mühle, anlegen zu können. Damit begann der gestaltende Einfluss des Menschen auf die Landschaft am Tollensesee. Die Tollenseniederung wurde davon aber über Jahrhunderte kaum berührt. Der still dahin fließende Fluss zog sich in vielen Mäander durch das Tal.

In vorindustrieller Zeit wurden die nassen Wiesen als Streuwiesen oder Weidewiesen genutzt und Torf abgebaut. Ab Mitte des 19. Jahrhundert erfolgte über fast einhundert Jahre ein intensiver Torfabbau (Handtorfstich), der die bei den Anglern heute beliebten „Torflöcher“ (unterschiedlich tiefe Kleingewässer) hinterließ. In diese Zeit fallen auch die ersten Entwässerungsmaßnahmen im Tal, d. h. eine erste Begradigung des Flusslaufs, Anlegen von Entwässerungsgräben. Heute beherrscht großflächig angelegtes Intensivgrünland das Bild des Flusstals mit Mähwiesen und Rinderweide.

In der Tollenseniederung liegt das Naturschutzgebiet (NSG) „Birkbuschwiesen“. Es ist nicht öffentlich zugänglich. Schutzziel ist ,die früher so artenreiche Pflanzenwelt der Feuchtwiesen durch Pflege nach historischem Vorbild (regelmäßige Mahd) zu erhalten. Hier gedeihen noch mehrere vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten.
Die Tollenseniederung ist durch mehrere Wanderwege erschlossen, die auch die im Tal liegenden Ortschaften (Woggersin, Lebbin, Teetzleben, Talberg) mit einbeziehen.

Besonders zu empfehlen ist aber eine Kanu– oder Kajak-Tour auf den Tollensefluss!
Bester Einstiegsort ist der Kanuverleih Knoblauch am Krügerkamp in Neubrandenburg (www.kanuverleih-nb.de)