Die Eugen-Geinitz-Sicht bei Usadel.
[Dem bedeutenden Geologen (geb. 1854; gest. 1925)
wurde 2013 einGedenkstein gewidmet.]

Zwischen Blumenholz /Weisdin im Süden und Neubrandenburg im Norden erstreckt sich auf einer Länge von reichlich 15 km das Tollensebecken.

Nicht nur die Oberfläche der mecklenburgischen Landschaft gibt Hinweise zu ihrer eiszeitlichen Entstehung. Zahlreiche Tiefenbohrungen, die in den letzten Jahrzehnten hier abgeteuft worden sind, ließen auch einen Blick unter die Oberfläche zu. Dadurch konnte das Wissen um die Entstehungvorgänge und -prozesse der Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern und speziell um Neubrandenburg wesentlich erweitert, Theorien bestätigt aber auch korrigiert werden. So geht man heute davon aus, dass das Tollensebecken nicht, wie bisher angenommen, von einer Gletscherzunge ausgeschürft wurde, sondern durch Spülvorgänge eiszeitlicher Schmelzwässer innerhalb des Gletschers entstanden ist. Die an der Oberfläche des Gletschers durch Sonneneinstrahlung und allgemeiner Erwärmung sich bildenden riesigen Mengen an Schmelzwässern stürzten in Löcher und Spalten in die Tiefe, sammelten sich in Spalten und Tunneln, spülten den Untergrund aus und traten dann, bestückt mit diversen Geröllen, am Gletscherrand zu Tage. Die Beschreibung dieser Vorgänge wird heute unter dem Begriff „Tunneltal-Theorie“ zusammengefasst. Die natürliche Landschaftsgestaltung war nach dem Ende der Eiszeit noch längst nicht abgeschlossen. Eigentlich reicht sie bis in unsere Gegenwart. Zuerst waren es die langsamer abtauenden Toteisblöcke, in deren hinterlassenen Vertiefungen sich Sölle und Seen bildeten, Wind- und Wassererosion modellieren am Landschaftsbild und seit rund 300 Jahren vermehrt menschliche Tätigkeit.

Die Landschaftsschutzgebiete an Tollensesee und –fluss liegen im Zentrum des neuen Geoparks „Mecklenburgische Eiszeitlandschaft“. Mit dieser Initiative soll das besondere geologische Naturerbe mehr in der Öffentlichkeit bekannt gemacht und für die regionale Entwicklung, beispielsweise auf dem Gebiet des Tourismus, genutzt werden.