Was wäre Mecklenburg-Vorpommern ohne seine Alleen?
Wer im Sommer – mit welchem Fahrzeug auch immer – unter einem kühlenden Blätterdach unterwegs ist, dürfte mit Wohlwollen der Erfahrung und Weitsicht unserer Altvorderen gedenken. Schon Friedrich der Zweite hasste staubige Wege und schneeverwehte Strassen. Er ließ in seinem preußischen Königreich tausende Bäume zur Befestigung der Wege, Erleichterung des Reisens und zur Holzgewinnung an die Straßenränder pflanzen. Die Konstrukteure der Chausseen ein halbes Jahrhundert später knüpften an diesem Vorbild an.Heute tragen die prächtigen Alleen in Nordostdeutschland zur räumlichen Gliederung der Landschaft bei und erfüllen vielerlei ökologische Funktionen - Lärm- und Windschutz, Staub- und Abgasabsorption, Bienenweide. Sie verknüpfen verschiedenartige Lebensräume für viele Tierarten und sind nicht zuletzt ein ästhetisches Erlebnis. Das „Landesnaturschutzgesetz“ aus dem Jahr 1998 stellte die Alleen im § 27 als wertvolle Landschaftsbestandteile ausdrücklich unter Schutz. Die relative Unversehrtheit der Alleen in Mecklenburg-Vorpommern veranlasste den ADAC und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zu einem ehrgeizigen Projekt - die Deutsche Alleenstraße. Zwar berührt ihre Trasse das Tollense-Seegebiet nicht unmittelbar, nichts desto weniger umschließen auch hier noch stattliche Baumreihen die Fahrbahnen von Bundesstraßen, Landstraßen oder Landwegen.
Als Erstbepflanzung nach dem Bau unserer Chausseen weisen die Bäume oft ein Alter zwischen 90 bis 150 Jahren auf, so dass sie nicht selten ihre natürliche Altergrenze als Alleebaum erreicht haben und aus diesem Grund weichen müssen.
Als Alleebäume wurden folgende Baumarten bevorzugt: Rosskatanie, Sommer- und Winterlinde, Berg- und Spitzahorn, manchmal auch Eschen. Anders als in den mitteldeutschen Bundesländern wurden die Straßen hier im Norden relativ selten mit Obstbäumen bepflanzt, und die wenigen sind inzwischen dem „Zahn der Zeit“ zum Opfer gefallen.
Die Benutzung der Chausseen war in Mecklenburg-Strelitz bis 1882 gebührenpflichtig. An den Chausseehäusern wurde das Chausseegeld kassiert. Entfernungen und Richtungen gaben die Postmeilensäulen an, von denen noch einige als Kulturdenkmale am Straßenrand stehen.
Die wohl älteste Allee des Gebiets, eine rund zweihundertjährige, nun schon recht lückenhafte Lindenallee, führt vom „Englischen Garten“, einer Halbinsel im Stadtsee von Penzlin, zur Landstraße nach Werder. Sie geht auf die landschaftsgestaltenden Ambitionen des Joseph von Maltzan (1735-1805) zurück, der seine Besitzungen um Werder nach den ästhetischen Gesichtspunkten des englischen Landschaftsparks formte und damit dem Beispiel seines Herzogs Carl II. von Mecklenburg-Strelitz folgte, welcher die Parklandschaft um Hohenzieritz anlegen ließ.