Die Bedeutung des Wortes „Wiek“ ist umstritten. Einleuchtend erscheint der Bezug auf das Wort „wichus“ im mittelalterlichen Deutsch, welches ein Haus an der Stadtgrenze (Stadtmauer) meinte, das für die Verteidigung der Stadt wichtig war. Es ist also ein Kriegs– oder Kampfhaus. Tatsächlich haben die Wiekhäuser in der Neubrandenburger Stadtmauer eine solche Vergangenheit hinter sich. Ursprünglich waren es stadtseitig offene Mauertürme, die 3 bis 4 m nach außen vorsprangen. Schießscharten ermöglichte es, die Außenmauer zu beobachten, Angreifer zu attackieren und zum Gegenschlag auszuholen. Diese Mauertürme sollen an besonders gefährdeten Stellen die Stadtmauer um das doppelte überragt haben, waren also ca. 14 m hoch. Ein 1912 nach älteren Zeichnungen rekonstruiertes Wiekhaus (es trägt die Nr. 8) am nördlichen Ende der Stargarder Straße (Nähe Bahnhof) vermittelt uns noch heute eine gewisse Vorstellung von der Wehrhaftigkeit dieser Mauertürme. Immerhin war die Stadtmauer mit 56 solcher Wiekhäuser gespickt. Zwei davon wurden später zu Fangeltürmen umgebaut. Die Wiekhäuser waren zwischen 30 bis 70 m von einander entfernt. Mit dem Siegeszug der Feuerwaffen verloren die mittelalterlichen Wall- und Wehranlagen an Bedeutung.

Als nach verheerenden Stadtbränden im 17. und 18. Jahrhundert Wohnraum besonders knapp war, wurden auf den Grundmauern der Wiekhäuser Fachwerkbauten errichten, die arme und bedürftige Familien als Heimstatt erhielten. Zu Ende des Zweiten Weltkrieges waren noch 27 solcher Häuser bewohnt. Anfang der 1970er Jahre begann ein umfangreiches Sanierungs– und Rekonstruktionsprogramm für die gesamte Wehranlage. Es bezog die Wiekhäuser mit ein. Zwar sind nicht alle wieder aufgebaut worden, aber die jetzt vorhandenen zieren heute die Stadt und animieren durch ihre verschiedenartigen öffentlichen Angebote zu einem Rundgang auf der Innenseite der Stadtmauer, den sogenannten Ringstraßen 1-5.