Wenn heute die etwa 2000 Guts- bzw. Herrenhäuser und Schlösser als "Tafelsilber" des Landes Mecklenburg-Vorpommern bezeichnet werden, sollte man den Preis nicht vergessen, der dafür vor Jahrhunderten gezahlt wurde. Der Stand des freien Bauern verschwand hier fast vollständig und endete in Leibeigenschaft, vollzogen vielfach durch das berüchtige "Bauernlegen". Den Besitz an Grund und Boden teilte sich die Ritterschaft mit der Landesherrschaft, in kleineren Teilen noch mit der Kirche und den Städten. Die Gutswirtschaft prägte nach dem Dreißigjährigen Krieg in Mecklenburg und Vorpommern den wichtigsten Wirtschaftszweig, die Landwirtschaft, und in der Folge die sozialen Beziehungen und die Alltagskultur. Im Laufe des 18. Jahrhunderts gelang es den meisten Rittergütern, auch den Pachtgütern des Domaniums, die Erträge kontinuierlich zu steigern. Der finanzielle Gewinn wurde schließlich im Baugeschehen am Gutshof sichtbar. Zur "typischen" Gutsanlage gehörte ein repräsentatives Wohnhaus, flankiert von Stallgebäuden und Scheunen, einen großen Gutshof in der Mitte freilassend. Die sogenannte Gartenseite des Wohnhauses zeigte tatsächlich in  einen Garten oder in einen aufwändig gestaltete Parkanlage. Die Katen der Gutarbeiter bildeten einen oder mehrere Häuserzeilen. das sogenannte "Einliegerkatendorf". Besonders im 19. Jahrhundert erfuhren diese Gutsanlagen manche Erweiterung, Modernisierung und das Herrenhaus Umbauten in damals beliebte Baustilen (Tudorgotik, Historismus , Jugendstil). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in der Sowjetischen Besatzungszone alle landwirtschaftlichen Besitzungen über 100 ha enteignet, die Eigentümer vertrieben. Die Gutshäuser wurden Domizile für Flüchtlinge und Umsiedler, später zu kommunlaen Zwecken genutzt - mit den allgemein bekannten Folgen. Erst nach 1990 begann die Rückbesinnung auf dieses wertvolle historische und kulturelle Erbe, oft mit Unterstützung und finanziellem Einsatz der Nachfahren der früheren Besitzer. So erstrahlen viele Anlagen inzwischen in neuem Glanz, sind als Hotels, Tagungsorte oder als Zentren neuer landwirtschaftlicher Betriebe zu touristischen Anziehungspunkten geworden.