Jahrzehnte nur Insidern als Dorado gefährdeter oder vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen bekannt, von der landwirtschaftlichen Nutzung wegen der minderwertigen Böden und der steilen Hänge seit längerem ausgeschlossen, erfuhr diese ehemalige Schmuddelecke am Stadtrand Neubrandenburgs in den 1990er Jahren eine überraschende Verwandlung. Weil mit Fingerspitzengefühl und Sachverstand zu Werke gegangen wurde, konnten die versteckten Potenzen dieses verhältnismäßig kleinen Territoriums (40 ha) für Landschafts– und Naturerlebnis, für Naturbeobachtung und Umweltbildung freigelegt und präsentiert werden. Der Landschaftsgarten liegt nur 2 km vom Stadtzentrum entfernt zwischen der B 104 und der B 192 unmittelbar hinter der neuen Eigenheimsiedlung Broda – Nord. An beiden Eingängen halten die Stadtbusse (Linie 10 bzw. 11). Autofahrer finden am Haupteingang an der B 192 einen Parkplatz vor. Durch das gesamte Gelände des Landschaftsgartens führen gepflegte Wanderwege, von welchen aus alle Sehenswürdigkeiten beobachtet bzw. besucht werden können. Ein Reitweg verbindet den Landschaftsgarten mit dem benachbarten Reitplatz Broda.

Vom höchsten Punkt aus schauten zu DDR–Zeiten Soldaten der Nationalen Volksarmee in die Runde. Heute haben die Fledermäuse den Bunker in Beschlag genommen. Über ihm wurde vor wenigen Jahren eine Aussichtsplattform errichtet. Dieser Aussichtspunkt bietet dem Besucher einen phantastischen Rundblick über die Stadt, das Datzetal und das Tollense-Flusstal sowie den gesamten Landschaftsgarten.

Das Terrain des Landschaftsgartens ist ein Seitental des Tollense-Flusstals und wurde vom eiszeitlichen Schmelzwasser ausgeformt, welches in den Spalten des abtauenden, ursprünglich 200 – 300 m dicken Gletschers hinabstürzte. Der Wasserdruck formte die Erdschichten unter dem Gletscher zu Rinnen aus und schuf damit das markante Relief. Das Wasser strudelte auch runde bis ovale Wasserlöcher aus. Diese „Auskolkungen“ tragen hier die Bezeichnung Butter–Soll, Rats–Soll, Hell–Soll und Görs–Soll, obwohl es keine „echten“ Sölle sind.
Diese „Wasserlöcher“ im Landschaftsgarten bilden eine besondere Schutzzone, durch welche ein Holzsteg führt, so dass der Besucher das Leben an und im Wasser genauer beobachten kann. Weitere Themenschwerpunkte sind im Landschaftsgarten:

  1. Findlingsgarten
    Hier sind Findlinge nach ihren skandinavischen Herkunftsländern und nach Gesteinsarten geordnet.
  2. Schmetterlings– und Bienengarten
    Moderne Bedürfnisse und Lebensweise unserer Zeit gehen auf Kosten der Lebensräume vieler Tier– und Pflanzenarten. „Aus den Augen – aus dem Sinn“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass wir ihren Verlust selten oder gar erst bemerken, wenn es zu spät ist. Das trifft besonders auf die Tagfalter, Schwärmer, Wildbienen, Hummeln u.a. Insekten zu. Auf Trocken– und Halbtrockenrasen wachsen viele ihrer Futterpflanzen. Diese Biotope werden auch in Mecklenburg–Vorpommern immer seltener. Wer ein Herz für diese farbenfrohen und nützlichen Insekten hat, kann in diesem thematischen Bereich Pflanzen kennen lernen, die durchaus in den heimischen Garten passen, wenig Pflege beanspruchen, hübsch aussehen und eben für den Lebenszyklus von Schmetterlingen u.a. Insekten unersetzlich sind.
  3. Naturerlebnisraum
    Natur appelliert an alle menschlichen Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Das wird in diesem Bereich anhand verschiedener Pflanzen und Naturmaterialien demonstriert. Eine Sonnenuhr, eine interessante Kreation eines Neubrandenburg Künstlers, verrät die Tageszeit (aber nur bei Sonnenschein).
  4. Trockenmauer
    Mit den in der norddeutschen Muttererde so reichlich vorhandenen Findlingen, hier der kleineren Art, wurde eine 120 m lange Trockenmauer aufgeschichtet. Kleinlebewesen, besonders Eidechsen, Kröten und Insekten wie Hummeln und Wildbienen, finden in ihr eine Behausung. Auch solche extrem trockenen Standorte werden von Pflanzen besiedelt.
  5. Obstwiese
    Dass Äpfel, Birnen, Pflaumen von Großmutters / Großvaters Obstbäumen viel besser schmecken als die Früchte aus dem Supermarkt, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die alten Obstsorten erfüllen zwar keine EU–Normen, aber sie sind oft robuster, eben schmackhafter und weniger krankheitsanfällig. Sie durch Neuanpflanzung zu erhalten, besitzt nicht nur einen wichtigen kulturhistorischen Hintergrund, sondern einen aktuellen, denn die alten Obstsorten sind Genreserven für Neuzüchtungen. Dieser Thematik widmet sich die Obstwiese, die zu einer blumenreichen traditionellen Streuobstwiese weiterentwickelt werden soll.