Zwischen dem Nordufer des Tollense-Sees und der Stadtmauer von Neubrandenburg lag in früherer Zeit ein großes Bruchgelände, auf welches noch heute die beiden Flurnamen Werderbruch und Stargarder Bruch hinweisen. Als 1631 der kaiserliche General Tilly (1559–1632) seine Soldaten vom Dorf Boda aus gegen Neubrandenburg vorrücken ließ, versackten diese erst einmal im Modder der Brüche, wobei die Verteidiger unter Dodo von Knyphausen (1582–1636); (Gedenksteine, Gedenktafeln) mit zusätzlichem Wasser nachgeholfen haben sollen. Das unwegsame Gelände hatte sich in der Tat als zusätzlicher Schutz der Stadt bewährt. Jahrhunderte später wurden die Brüche zum Problem und bereiteten manchem Bauherren Kopfzerbrechen.

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an lockten Badeanstalten und Ausflugsgaststätten Spaziergänger zum See. Spazierwege wurden durch die Brüche und am Seeufer entlang angelegt. Um 1900 herum entstanden die Villen am Lindebach, in der Schwedenstraße, das erste Bootsbecken am Oberbach usw. Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges, welche im Augustabad einquartiert worden waren, schaufelten Entwässerungsgräben durch das Bruch. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Werderbruch einen Teil des Trümmerschutts auf, der bei der Beräumung und dem Wiederaufbau des Stadtzentrums von Neubrandenburg anfiel.

 

Im Jahr 1956 entstand der erste Flächennutzungsplan der Stadt, welcher zum ersten Mal Aussagen zu einem „Kulturpark“ enthielt.

Diese Park–Kategorie hat ihre gartenhistorischen Wurzeln im „Volkspark“, einer typischen Begleiterscheinung der durch Industrialisierung schnell wachsenden Städte. Er sollte vor allem den ärmeren Volksschichten Freiräume für Gemeinschaftserlebnisse, Erholung an frischer Luft und Naturerlebnis bieten, auch mit dem Ziel, soziale Spannungen in den Ballungszentren abzubauen. Im Unterschied zum Volkspark bietet der Kulturpark aber weit mehr Gelegenheiten für eigenes Aktivsein, nicht nur durch spazieren gehen in gestalteten Naturräumen, sondern durch direkte Beteiligung an deren Gestaltung, durch sportliche Betätigung, Unterhaltung und durch Bildungsangebote.

Die Stadtvertreter fassten im März 1968 den Beschluss, einen solchen Kulturpark anzulegen. Der offizielle Baubeginn war aber erst eineinhalb Jahre später im November 1969. Inzwischen war ein ca. 35 ha großes Gelände um das Werderbruch herum eingezäunt worden. Unter tatkräftiger Hilfe der Bürger der Stadt entstanden Promenaden, große Wiesen, Heidegarten, Staudengarten und Moorbeetgarten. Der Baumbestand wurde ausgeholzt, durch Neupflanzungen ergänzt und Plätze für Spielen und Toben, für Feste, Rummel, Zirkus und Streichelzoo erschlossen. Gartenplastiken und eine künstlerisch gestaltete Sonnenuhr fanden in dem sich von Jahr zu Jahr heiterer und einladender präsentierenden Gelände entsprechende Plätze. Im Oktober 1969 verblüffte die neue Stadthalle mit ihrer ungewohnten Architektur. Es ist eine Hyparschalen–Konstruktion des Baumeisters und Architekten Ulrich Müther (1934-2007) aus Binz. Seine Bauwerke in kühn geschwungenen Formen besitzen inzwischen beinahe legendären Ruf. Diese Stadthalle ist als Sport– und Festhalle nach wie vor in Betrieb und beliebt. Auf Betonpfählen wurde die Forstgaststätte „Werderbruch“ gegründet, weniger Bauaufwand erforderte der Eispavillon. Seit 1973 schoss eine Fontäne aus dem Tollense-See in luftige Höhe, zu abendlichen Festen sogar farbig beleuchtet.

Im Jahr 1996 entstand am Rande des Kulturparks das Jahnsportforum als größerer und attraktiver Hallenkomplex. Ihm gegenüber konnte zum Schuljahresbeginn 2005/2006 der Neubau des Sportgymnasiums eingeweiht werden.

Nach 1990 wurde die Trinkwassergewinnung im benachbarten Stargarder Bruch eingestellt, was zu einem schnellen Anstieg des Grundwasserspiegels im Kulturpark führte. Das Wasser eroberte sich große Flächen im Stargarder Bruch zurück, machte Wege unpassierbar und ließ Sträucher und Bäume verschwinden. Interessant zu beobachten, wie schnell sich das Stargarder Bruch in ein Feuchtgebiet wandelte mit einer reichen Tierwelt. Besonders Wasservögel verschiedenster Arten haben sich hier eingefunden - ein Freiluftlaboratorium mit günstigen Beobachtungsmöglichkeiten für groß und klein. Der Kulturpark ist heute eines der beliebtesten nah gelegenen Ausflugsziele der Neubrandenburger und ihrer Gäste, denn er ist eine geradezu ideale Verbindung zwischen dem See und der Innenstadt.