Auch der älteste geistliche Ritterorden, der Johanniterorden, beteiligte sich an der Erschließung des Tollensegebietes. Bereits seit 1226 bezog er Einkünfte aus dem „Lande Turne“ am Mirower See. Dort errichtete er ein Verwaltungszentrum, eine Komturei, um welche sich alsbald das Landstädtchen Mirow entwickelte. Rund siebzig Jahre später verschenkte der Markgraf Albrecht III. von Brandenburg (gest.1300) die Dörfer Klein und Groß Nemerow an den Orden und würdigte damit besonders die Verdienste des tatkräftigen Komturs Ulrich Schwabe. Diese Schenkung wurde am 15. Mai 1298 beurkundet und damit die Johanniterkomturei Nemerow begründet. Neben dieser Dependance unterhielt der Orden noch eine zweite im Lande, und zwar im später untergegangenen Dorf Gardow südöstlich von Neustrelitz. Heute erinnert hier der Wohnplatz „Comthurey“ an diese Geschichte. Der Orden verstand es, seine Besitzungen ständig zu erweitern und wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Nach der Reformation wehrte sich der Orden mit diplomatischen Winkelzügen lange erfolgreich gegen eine Säkularisierung. Er nahm beispielsweise immer wieder Angehörige der ansässigen Adelsfamilien in seine Reihen auf und setzte sie als Komture ein. Erst der Westfälische Friedensschluss nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648 beendete den Streit um das Eigentum des Ordens zu dessen Ungunsten.

Das fast lebensgroße Abbild eines der letzten Komture in Nemerow, Ludwig von der Groeben, von 1593 bis 1620 im Amt, kann man noch heute in Klein Nemerow anschauen. Die Platte seines Grabes steht gegenüber dem Hotel Heidehof unter einer riesigen Kastanie (Naturdenkmal) und ist ein beliebtes Fotomotiv. Dieser große Grabstein stammt sicher aus der früheren Kirche der Komturei, die es schon lange nicht mehr gibt. Übrigens hatte dieser Komtur die Regeln seines Ordens schon nicht mehr so genau genommen, denn er war mit Sabina von Bredow verheiratet.

Der Dreißigjährige Krieg richtete die Komturei Nemerow wirtschaftlich zugrunde. Schließlich gingen – wie oben angedeutet – die Besitzungen des Ordens nach 1648 an das Fürstenhaus von Mecklenburg–Güstrow und nach dem Hamburger Vergleich 1701 an das eben entstandene Herzogtum Mecklenburg–Strelitz über. Von den einstmals vorhandenen respektablen Gebäuden der Komturei vermitteln nur noch die Mauern einer mächtigen Feldsteinscheune, am Ufer des Tollense-Sees gelegen, eine vage Vorstellung. Das verfallende Gemäuer wurde in den letzten Jahren gesichert und wird wohl noch über Jahrzehnte an die alte Komturei erinnern.