Der etwas abseits im südöstlichen Teil der Feldmark von Neubrandenburg gelegene ehemalige Gutshof Fünfeichen ist in den letzten sechs Jahrzehnten zu trauriger Berühmtheit gelangt. Daran erinnert heute die Mahn– und Gedenkstätte (Kriegsopfergedenkstätte) Fünfeichen als Ort des Gedenkens und der Trauer. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges [am 1.September 1939] wurden auf der Gemarkung Fünfeichen zwei Kriegsgefangenenlager errichtet, eines für Mannschaften und ein anderes für Offiziere. Hier waren im Laufe der Kriegsjahre etwa 60 000 Kriegsgefangene aus zehn europäischen Ländern und den USA inhaftiert. Sie mussten in den Neubrandenburger Rüstungsbetrieben und auf den umliegenden Landgütern oder Bauernwirtschaften arbeiten. Nicht alle Gefangenen überstanden Arbeitsstrapazen und schlechte Versorgung. Zwischen 1958 und 1960 wurde auf dem ehemaligen Friedhof des Lagers eine Erinnerungsstätte angelegt.Dabei scheint die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar Vorbild gewesen zu sein (Glockenturm und Figurengruppe). Aber diese Gedenkstätte wurde nie eingeweiht, im Gegenteil. Es wurde versucht, sie aus dem Gedächtnis der Bewohner Neubrandenburgs zu verdrängen, was auch gelang. Sie lag seit 1969 in einem Kasernengelände und militärischen Sperrgebiet, war also für die Öffentlichkeit unzugänglich. Erst nach 1990 wurden die Gründe des Verschweigens publik: Nachdem das Lager Fünfeichen nach Kriegende 1945 für einige Wochen als Repatriierungslager der Siegermächte für ausländische Kriegsgefangene, Häftlinge und Zwangsarbeiter gedient hatte, übernahm der sowjetische Geheimdienst NKWD das Gelände als Internierungslager (Speziallager Nr. 9). Hier wurden Deutsche eingeliefert, denen man Funktionen im NS–Staat zur Last legte, Jugendliche, die als „Wehrwolf–Sympathisanten“ galten, und andere Missliebige, die denunziert wurden, darunter selbst Menschen, die in der NS–Zeit Häftlinge im KZ gewesen waren. Über 15.000 Häftlinge darbten hier unter schwierigsten Lebensbedingungen ohne Gerichtsurteile. 4709 Menschen starben an Hunger und Krankheiten, 686 Inhaftierte wurden in die UdSSR deportiert und 3511 nach Schließung des Lagers in andere Lager in Deutschland verlegt. Am Rande des Kleinen Mühlenholzes wurden die Toten in Massengräbern beerdigt. Es brauchte mehrere Jahre, ehe die Geschichte der Lager und ihrer Insassen wenigstens in Grundzügen erforscht war.

Im April 1993 wurde die heutige Mahn– und Gedenkstätte feierlich eröffnet. Sie erinnert sowohl an die Opfer der Kriegsgefangenenlager als auch an die des Internierungslagers. Das „gestützte Kreuz“ im Eingangsbereich des weitläufigen Geländes der Gedenkstätte schuf der Holzbildhauer Uwe Grimm, die große Bronzegedenktafel der Bildhauer Walter Preik. Das 11m hohe Kreuz aus Eichenholz steht für die Opfer diktatorischer politischer Regime. Die Stütze aus Edelstahl symbolisiert die Kräfte, die sich der zerstörerischen Politik entgegenstellten. Die im Mühlenholz liegenden beiden Gräberfelder sind ebenfalls würdig gestaltet und gepflegt. Die Gedenkstätte ist mit dem Stadtbus oder mit dem PKW von der B 96 aus leicht zu erreichen. Alle Wege dahin sind gut ausgeschildert.