Vor rund einhundert Jahren versuchte Neubrandenburg den Einstieg in den Tourismus - und das offensichtlich mit Erfolg wie die in kurzer Zeit entstandenen „Kolonie Augustabad“ bewies. Die den Namen gebende Einrichtung - Kurhotel Augustabad, benannt nach der Großherzogin Augusta Caroline von Mecklenburg-Strelitz (1822 - 1916), - ging aus der Initiative einer Aktiengesellschaft hervor, der hauptsächlich Bürger aus Neubrandenburg angehörten. Das Kurhotel wurde im Sommer 1895 in Betrieb genommen. Am Rande des „romantischen, schluchten- und buchenreichen“ Nemerower Holzes gelegen bot der im Schweizerhaus-Stil errichtete „elegant ausgeführte Bau“ allen Komfort, mit welchem zahlungskräftigen Gäste aus Berlin, Hamburg oder Stettin seinerzeit rechneten. Den überzeugenden und gern zitierten Beweis lieferte ein prominenter Gast, nämlich der Dichter und Wandersmann Theodor Fontane (1819 - 1898). In Briefen an seine Familie und Freunde bekannte er: „Ich bin gern in Mecklenburg, wie in allen Ländern und Städten, die man in dem öden und dämlichen Berlinertum unserer Jugend für Plätze zweiten Ranges hielt...“ oder „Alles Freundliche und Befreundete kam mir von Jugend an aus Mecklenburg. Nirgends habe ich glücklichere Stunden verlebt als in Neubrandenburg (das, wenn ich vor 55 Jahren von Ruppin nach Swinemünde fuhr, Mittagsstation war, und welche!)...“.

1897 weilte der von Altersgebrechen geplagte Autor mit Frau und Tochter nochmals für mehrere Tage im modernen Kurhotel Augustabad. „Wir unsererseits hatten es ungewöhnlich gut getroffen und haben uns in der Seeluft (Tollense-See) wirklich erholt...“ berichtete er aus Neubrandenburg. Zum Kurhaus gesellten sich in den folgenden Jahren nach und nach neue Villen, Fremdenpensionen und Erholungsheime mit vielen Angeboten für die Feriengäste. Im längst verschwundenen Waldrestaurant „Hieronymus“ konnte man sich auch für weniger Geld satt essen, beispielsweise an den Fisch- oder Krebsgerichten, deren Ausgangsprodukte der Tollensesee fast bis vor die Haustür spülte.

Das sonnenbegünstigtes Ostufer des Sees bot den Gästen manche Abwechslung - eine eichenumsäumte, elegante Promenade, einen gepflegten Badestrand, Ruderboote, den Aussichtsturm “Behms Höhe“, die Dampferanlegestelle, von welcher aus man auch zu Lampionfahrten „in See“ stach.

Die Besitzer bzw. Pächter des Kurhauses wechselten mehrmals, und recht glücklich sind sie mit dem Unternehmen wohl alle nicht geworden. Im Ersten Weltkrieg musste das Kurhaus als Kriegsgefangenenlager für britische Offiziere herhalten. Mitte der zwanziger Jahre übernahm die Deutschnationale Krankenkasse Hamburg das Haus und ließe es zu einem Erholungsheim für die Mitglieder umbauen. Aber auch an dieser Investition konnten sich Kurgäste nur kurze Zeit erfreuen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus zum Lazarett umfunktioniert, 1945 übernahm die Sowjetische Besatzungsmacht das Kurhaus. 1950 mussten die anderen Villen im Umkreis geräumt werden, denn das gesamte Areal „Kolonie Augustabad“, das natürlich nicht mehr so genannt wurde, kam in ein militärisches Sperrgebiet. Das Kurhaus dient den Lehrlinge des Reparaturwerkes Neubrandenburg (RWN) als Wohnheim und war so in eingeschränkter Weise öffentlich genutzt, ebenso der beliebte Badestrand, der in den 70er Jahren hinter Schlagbaum und Personalausweiskontrolle lag, den sich die Neubrandenburger aber trotzdem nicht nehmen ließen. Nach der Wende zog abermals eine Krankenkasse in das Kurhaus ein und hat die alt gewordenen Gemäuer inzwischen längst verlassen. Dann stand das Haus Jahre ungenutzt und wartete auf einen finanzkräftigen Investor. Was kam, war die Abrissbirne. Nun erinnert nur noch eine Baugrube mit reicher Ruderalflora an ein Haus, in dessem Schicksal sich auf eigentümliche Weise die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert spiegelte.