Es ist zu vermuten, dass die ersten christlichen Andachtsstätten in den Dörfern unseres Landstrichs aus Holz gebaut waren. Erst als nach 1164 die heidnischen Slawen endgültig besiegt und „befriedet“ waren, schufen die großen christlichen Orden, beispielsweise die Prämonstratenser und die Zisterzienser und dann seit den 13. Jahrhundert die wirtschaftlich und politisch erstarkten Städte steinerne Bauwerke in Stadt und Land. Einige überdauerten die Jahrhunderte. Als natürliches Baumaterial dienten zuerst Granite, die in großen Blöcken (Findlinge) oder kleineren Brocken als Hinterlassenschaft der Eiszeit reichlich vorhanden waren (und es heute noch sind). Aus der fortgeschrittenen kulturellen Tradition ihrer Herkunftsländer heraus brachten die Mönche und Nonnen viele neue Produktionsmethoden und -erfahrungen mit, beispielsweise die Bearbeitung des Granits oder den Umgang mit dem Backstein. Er war das „vornehmere“ Baumaterial, das sehr bald für die großen kirchlichen Bauwerke der Klöster und der Städte eingesetzt wurde.

Die Feldsteinbauweise blieb im ländlichen Kirchenbau noch lange üblich. Die ältesten Teile an den Dorfkirchen bestehen noch heute aus den sorgfältig behauenen Quadern von rund 30-35 cm im Geviert. Sie belegen das hohe Niveau der Steinmetzkunst und der Architektur, die um 1250 hier in unserem Raum einen Höhepunkt hatten. Es ist die Entstehungszeit der ältesten unserer Dorfkirchen (Groß Nemerow, Klatzow bei Altentreptow).

Die Mauern waren zwischen 1-3m dick. Spätere Ausbesserungsarbeiten und Ergänzungen heben sich meist deutlich durch die Verwendung unbehauener Feldsteine und eine weit weniger sorgfältige Verarbeitung der Steine ab. Ob gleichzeitig auch Dorfkirchen in Fachwerk entstanden, einer Bauweise, die aus Mittel- und Süddeutschland kam, ist heute nicht mehr nachzuweisen. Solche Bauwerke aus Holz, Stroh und Lehm besaßen nur eine kurze Lebensdauer.

In Zeiten der Not, meist durch Kriege und sie begleitenden Unglücke wie Epidemien und Brände verursacht, war der Fachwerkbau eine kostengünstige Alternative zum Feld- oder Backstein. So ist es nicht verwunderlich, dass die Fachwerkkirchen in unseren Dörfern in der Regel im 18. Jahrhundert entstanden, also nach dem Dreißigjährigen Krieg, der ja das gesamte Land in eine wirtschaftliche und menschliche Katastrophe geführt hatte. Einige Fachwerkkirchen sind noch jüngeren Datums. Schöne Fachwerkkirchen stehen in Groß Teetzleben, Zachow, Woggersin.

Im 19. Jahrhundert wurden viele Dorfkirchen einer umfangreichen Erneuerung und Rekonstruktion unterzogen. Zerfallene Türme wurden ersetzt oder turmlose Feldsteinhallen erhielten einen schlanken Turm aus Backsteinen angesetzt. Hier bemühte sich der Hofbaurat Buttel (1796-1896) aus Neustrelitz um eine Synthese der so unterschiedlichen Materialien Feldstein und Backstein. Dass heute so manch´ hoher Kirchturm in den Himmel ragt, ist seinem Engagement für den Kirchenbau im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz zu danken. 1832 wurde beispielsweise die Kirche in Wulkenzin nach Buttels Entwürfen neu erbaut. Am gesamten Bau sind des Meisters Vorlieben zu studieren, beispielsweise für den Baustoff Backstein, besonders den gelben, für die schlanken Glockentürme und für den gotisierenden Zierrat.

Eine Besonderheit ist die Dorfkirche in Weisdin. Zwischen 1747 und 1749 ließ der Gutsherr Gotthard Karl Friedrich von Peckatel einen neuen massiven, farbigen Putzbau auf achteckiger Grundfläche errichten. Ihn krönt ein pagodenähnlicher Dachaufbau und erinnert in seinen geschwungenen Formen an die seinerzeit sehr beliebten ostasiatischen, besonders chinesischen Vorbilder (Chinoiserien). Sehenswert ist die Innenausstattung mit umlaufender Empore und der farbenfrohen Ausmalung, die auch auf die Entstehungszeit des hübschen Bauwerks zurückgeht.

Aber nicht immer konnte ein so anspruchsvoller Bauaufwand betrieben werden. Einige Kirchtürme bestehen nur aus einer schlichte Bretter“haut“, die natürlich ständiger Pflege bedarf. Solche „verbretterte“ Kirchtürme stehen u.a. in Bargensdorf, Cammin, Groß Teetzleben, Zachow. Eine weitere Besonderheit im ländlichen Kirchenbau sind die Rundkirchen vom Baumeister Dunkelberg, beispielsweise in Hohenzieritz. Überhaupt gibt es an den Dorfkirchen viele interessante Details zu entdecken.
In der Innenausstattung unterscheiden sich die Dorfkirchen erheblich. Hier finden wir Zeugnisse aus sieben Jahrhunderten, hauptsächlich aber des Barock, des Klassizismus und der Neostile des 19. Jahrhunderts. Leider kann an dieser Stelle nicht ausführlicher darauf eingegangen werden.

Bedauerlicherweise erfuhren die Dorfkirchen in DDR-Zeiten nur wenig Pflege. Vernachlässigung ist manchenorts noch heute sichtbar. Aber es gibt inzwischen viele schöne Beispiele gelungener Sanierung und Rekonstruktion (Ballwitz, Prillwitz, Zachow, Woggersin, Bargensdorf, Groß Nemerow, Blumenholz, Rowa u.a.).