Der regierende Herzog Adolph Friedrich IV. („Dörchläuchting“ 1738 –1794) war seiner Vorderstadt Neubrandenburg besonders zugetan. Die handfesten Spuren, die der Herzog beispielsweise durch rege Bautätigkeit hier hinterließ, sprechen dafür. Nachdem das Palais, sein Sommersitz, 1775 fertiggestellt war, ließ er mit restlichem Baumaterial auf einem attraktiven Platz mit „schöner Aussicht“, einem Plateau am nordwestlichen Ufer des Tollensesee unweit des Dorfes Broda, ein Fachwerkhäuschen errichten. Nach dem Tode des Herzogs (1794) wurde dieses Gebäude abgetragen und durch einen Neubrandenburger Bürger in der Stadt wieder als Fachwerkhaus aufgebaut. Für längere Zeit fand dann in diesem Haus die Neubrandenburger Freimaurerloge ein Domizil. Für den verwaisten Platz am Tollensesee begeisterte sich abermals ein adliges Herz. Marie von Hessen-Kassel (1796-1880), seit 1817 die Gattin des regierenden Großherzogs Georg, ließ durch den Hofbaurat Buttel den Entwurf eines neuen, allerdings massiv auszuführenden Gebäudes anfertigen. Der junge, von Schinkel geprägte Baumeister wählte die Form eines klassischen griechischen Tempels mit vier dorischen Säulen. 1823/24 wurde das Bauwerk am alten Platz errichtet und soll oftmals als schützende Hülle für großherzogliche Teestunden gedient haben, was sicher so gewesen sein wird, denn es gab sogar eine kleine Küche im Haus. Wichtiger war natürlich der mit einer Kassettendecke geschmückte Saal, in welchem Gipsabgüsse antiker Bildwerke aufgestellt waren.

Von der Freitreppe am Belvedere schauen die Besucher heute wie damals entzückt in die Runde. Schon Ernst Boll fand 1852 für diese „schöne Aussicht“ folgende Worte „Es ist auch ohne Zweifel der herrlichste Punkt am Seeufer, nicht allein wegen der Schönheit und Mannigfaltigkeit der Aussichten, welche man von dort aus genießt, sondern auch wegen des Anblicks, welchen dies Vorgebirge selbst von verschiedenen Standpunkten aus gewährt, - ganz besonders zur Frühlingszeit, wenn der Hügel von den Blüten des Goldregens und des Flieders gleichsam umwogt wird. Die umfassendste Aussicht hat man, wenn man vor dem Pavillon selbst steht: vor sich und zur Rechten überblickt man den klaren Spiegel des Tollense[sees] in seiner ganzen Ausdehnung, so wie sein ganzes östliches Ufer; zur Linken die im weiten Tale gelegenen und von einem dichten Eichenkranze halbversteckte Stadt Neubrandenburg und hinter ihr die Höhen des Werder, welche dort den Horizont begrenzen. Es ist dies ein landschaftliches Panorama, dessen Totalwirkung von ergreifender Wirkung ist...“

 Erst in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts bekam der Ort eine neue Bestimmung. Der bedeutende Baumeister Heinrich Tessenow (1876-1950) lieferte das Ideenprojekt für eine Gedenkstätte der Gefallenen des Landes Stargard im Ersten Weltkrieg. Es entstand eine nach allen vier Seiten geöffnete Halle. 1935 wurde das Ehrenmal fertiggestellt und leider in nationalsozialistischen Geiste vereinnahmt. Nach 1945 stand es lange Jahre ohne sinnvolle Verwendung da. 1978 begannen notdürftige Sicherungsarbeiten, u.a. wurden die Außenwände wieder geschlossen. Von 1993 an liefen erneut Sanierungsarbeiten, die sich stärker am Vorbild Tessenow orientierten. Am 9.9.1995 wurde Belvedere als nun wieder geöffnete Halle einer neuen Bestimmung übergeben. Es ist heute in den Sommermonaten eine stimmungsvolle Kulisse für unterschiedliche Musik- und Tanzveranstaltungen, und wer es ganz groß möchte, kann hier seine Hochzeit feiern!

Video: Dr. Ernst Boll über die "schöne Aussicht" (Belvedere)